• Leben in Edelstal

    679 Einwohner
    860 Einwohner inkl. Zweitwohnsitze
    183 m Seehöhe
    5,89 km2 Fläche

  • Wohlfühlen in Edelstal

    Wohlfühlen in Edelstal durch das Wasser der Römerquelle, Sportstunden, gute Infrastraktur und vieles mehr!

Edelstal einst

Edelstal, als nördlichster Ort des Burgenlandes, liegt in den Ausläufern der Kleinen Karpaten eingebettet. Schon vor vielen Jahrhunderten war diese Gegend ein bevorzugtes Siedlungsgebiet. Immer noch erhalten wir durch Funde, die Bauern beim Pflügen ans Tageslicht befördern, Kunde über die Besiedlung in diesem Raum. Bei Probeausgrabungen stieß der ungarische Forscher Söter 1884 auf Reste einer römischen Villa und legte einen Teil eines awarischen Friedhofes frei.

Mit dem Vorstoß der Franken gegen Osten nahmen wahrscheinlich auch neue Siedler die Talmulde von Edelstal in Besitz.
Edelstal/Utestal dürfte wie das abgekommene Dorf Lebern um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegründet worden sein. Das kürzlich entdeckte alte Zehentregister der Pfarre Hainburg aus dem Jahre 1377, in dem beide Dörfer immer zusammen erwähnt werden, lässt dies Wahrscheinlich erscheinen. Die Nachbargemeinden Prellenkirchen, Berg und Hundsheim wurden zwischen 872 und 1122 gegründet.

Der Name des Ortes erscheint in den frühen Aufzeichnungen in unterschiedlicher Schreibweise. Hier einige Belege: Uttestal (Testament des Konrad von Schaunberg); Etlastal (Aufzeichnung der Pfarre Hainburg 1529); Yedestaal (Dica-Konscription 1565), Ötlestal (Dica-Konscription 1618); Niklstahl(1647). In der Ortschronik aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird auch der ungarische Name des Ortes bereits erwähnt: "Pagus hic Edelsthal vocatur, in Lingua Nostra Hungarica - Nemes Völgye, quia Nobiles reales hic suas habuerant Curias. (...)

Zum ersten Mal scheint der Name von Edelstal in dem Testament des Reichsgrafen Konrad von Schaunberg 1353 auf, er war unter anderem Besitzer der Herrschaft Orth an der Donau. In seinem letzten Willen vermacht er der Kirche zu Hundsheim ("der Kirichen zu Hunzhaim") jährlich ein Fass Wein von 22 Eimern, was die Pächter der schaunbergischen Weingärten in Uttestal (Edelstal) dem Grafen Konrad, dem Grundherrn dieser Weingärten, als jährlichen Naturalpachtzins bisher zu liefern hatten, ein Hinweis, dass auf Edelstaler Boden schon im Mittelalter Weinbau betrieben wurde.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1365 wird Uetestal/ Edelstal wieder erwähnt. Hier wird erneut bestätigt, dass die Herrschaft Orth an der Donau Weinberge in Uetestal besass.

Im Spätmittelalter, 1412 scheint Edelstal ein weiteres Mal in einer schriftlichen Quelle auf, in welcher es um einen Streit von Friedrich und Hermann Scharfenegg mit den Hundsheimern wegen Holden in Edelstal ging. Im Verlaufe der folgenden Jahrhunderte werden die Nachrichten über das Dorf Edelstal immer häufiger.

Nach dem ersten Türkenkrieg ist das Dorf wahrscheinlich auch zerstört worden, denn erst seit 1615 dürfte der Talkessel wieder bewohnt gewesen sein. Auch der zweite Zug der Türken gegen Wien ist hier nicht spurlos vorüber gegangen. So erfahren wir von einem umfangreichen Dokument aus dem Jahre 1685, welche Ausgaben die Dorfbewohner im Zusammenhang mit den Türkenkriegen hatten.

Aus den Quellen können wir annehmen, dass ein Teil der Leute, die vor den Türken geflohen sind, wieder ins Dorf zurückgekommen sind, und andere Neusiedler, die vor allem aus Schwaben, der Pfalz, Bayern, Sachsen, Tirol und Oberösterreich stammten, haben sich in Edelstal und den Nachbardörfern niedergelassen. Von diesen Namen, die am Anfang des 18. Jahrhunderts in den Quellen zur Vergangenheit von Edelstal aufscheinen, sind heute noch viele vorhanden.

Aus dieser Zeit, 1709, stammt das erste Gemeindesiegel mit zwei Weinstöcken und einem Rebmesser, ein Hinweis darauf, wie auch in anderen Aufzeichnungen bestätigt wird, dass dieser Wirtschaftszweig für die Bewohner des Dorfes, neben der Landwirtschaft, die etwas später an Bedeutung gewann, eine lange Tradition aufweist und eine wichtige Lebensgrundlage bildete.

Im Jahre 1740 wurde damals ausserhalb des Dorfkernes eine barocke Pfarrkirche errichtet. Ein wichtiges Ereignis für die Dorfbevölkerung war sicher, als 1774 Edelstal eine eigenständige Pfarre wurde.

Erste schriftliche Kunde erhalten wir über das Wirken eines Schulmeisters aus der Visitation von 1673, die Georg Naidl, einen Katholiken aus Kleinhöflein, bezeichnet.
Aus der Zahl der Lehrer, die in der Vergangenheit in Edelstal wirkten, sollen zwei erwähnt werden: Georg Adam List(1755-1844), er war der Großvater des großen Musikers Franz Liszt. Er wirkte als Ludimagister von 1774 -1785 in Edelstal. Während seines Wirkens in Edelstal wurde der Vater des berühmten Komponisten geboren(16.12.1776). Der zweite Lehrer war Johann Moser, der von 1888 bis 1924 in Edelstal wirkte und auf dessen Initiative ein geräumiges Schulgebäude 1904 errichtet wurde.

Das zwanzigste Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen ist auch nicht spurlos an Edelstal vorübergegangen. Ein großer Einschnitt war, dass nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie das Burgenland errichtet wurde und Edelstal als nördlichster Ort des Landes zum neu erstandenen Staat Deutsch - Österreich kam. In der Zwischenkriegszeit ging es den Dorfbewohnern mehr schlecht als recht. Mit dem Einmarsch Hitlers und dem Zweiten Weltkrieg kam weiteres Ungemach über die Menschen herein. Väter und Söhne mussten in den Krieg ziehen, und mancher von ihnen sah die Heimat nicht mehr wieder. Die ersten Jahre der Nachkriegszeit waren für alle Bevölkerungskreise hart, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl half über manchen schwierigen Augenblick hinweg.

Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung zeigt sich auch in augenscheinlicher Weise in Edelstal: eine gut funktionierende Infrastruktur, schöne Straßen und vor allem viele neue Häuser zeugen vom Fleiß und Glauben der Dorfbevölkerung an die Zukunft.

Mit der Vermarktung des Heilwassers, durch die Firma Römerquelle, das seit vielen Jahrtausenden ungefaßt südlich des Dorfes aus der Erde sprudelte, erhalten viele Familien in Edelstal zusätzlich Arbeit und Brot. Durch den Wasserzins ist es den Gemeindebehörden möglich, wichtige Vorhaben zum Wohle der Bürger und einer gedeihlichen Weiterentwicklung der Gemeinde Edelstal zu realisieren.

Hans Gumprecht